Glossar

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Allegorie [DN] [griechisch, eigentlich »das Anderssagen«] die, -/…ˈri|en, Umsetzung eines abstrakten Begriffs oder eines Gedankengangs in eine sinnlich wahrnehmbare Erscheinung, oft in Form der Personifikation (z. B. Gerechtigkeit, Tod). Im Unterschied zum »sinnenfälligen« Symbol enthält die Allegorie eine gedanklich-konstruktive Beziehung zwischen dem Dargestellten und dem Gemeinten. Ihr Sinn muss durch Deutung der oft versteckt gegebenen Hinweise erschlossen werden (im Unterschied zur Metapher). (Brockhaus, konsultiert am: 11.10.2018)

Allure carolingienne: Als karolingische Buchmalerei wird die Buchmalerei vom Ende des 8. bis zum späten 9. Jahrhundert bezeichnet, die im Fränkischen Reich entstand. Während die vorherige merowingische Buchmalerei rein klösterlich geprägt war, ging die karolingische von den Höfen der fränkischen Könige sowie den Residenzen bedeutender Bischöfe aus. Ausgangspunkt war die sogenannte Hofschule Karls des Großen an der Aachener Königspfalz, der die Manuskripte der sogenannten Ada-Gruppe zugeordnet werden.(Wikipedia)

Apologie [DN] [griechisch] die, -/…ˈgi|en, Verteidigung, Schutzrede, Rechtfertigung einer Handlung oder Vorstellung gegenüber Angriffen, besonders in religiösen und weltanschaulichen Auseinandersetzungen, z. B. Platons »Apologie des Sokrates«. (Brockhaus, konsultiert am: 11.10.2018)

Artes liberales  [DN] [lateinisch] Plural, die im Späthellenismus kanonisierten sieben »freien Künste«, die seit dem 7. bis 8. Jahrhundert zur Grundlage der abendländischen mittelalterlichen Bildungsordnung geworden waren. Sie umfassten drei sprachliche (Grammatik, Dialektik, Rhetorik) und vier mathematisch-reale Fächer (Arithmetik, Geometrie, Musik, Astronomie), später Trivium (Dreiweg) und Quadrivium (Vierweg) genannt. Die erste maßgebliche Darstellung und Systematisierung der Artes liberales verfasste zwischen 410 und 439 Martianus Capella (»De nuptiis Philologiae et Mercurii«; deutsch von Notker III. von St. Gallen »Die Hochzeit der Philologie mit Merkur«). Spätere Beschreibungen und Lehrbücher lieferten u. a. Boethius, Cassiodor, Hrabanus Maurus und Hugo von Sankt Viktor. Die Artes liberales waren zunächst Lehrstoff der Kloster- und Lateinschulen (mit Trivium in Chartres, Sankt Gallen und Tours). Später wurden sie als Propädeutik für die höheren Fakultäten (Theologie, Medizin, Recht) von den »Artistenfakultäten« der Universitäten gelehrt. Diese Lehrordnung wurde erst in der Zeit des Humanismus (Erasmus) und Barock (J. A. Comenius) aufgegeben. – In Malerei und Plastik wurden die Artes liberales durch Frauengestalten mit Attributen personifiziert, denen ein Hauptvertreter des Fachs (z. B. Cicero für Rhetorik) zugeordnet wurde. (Brockhaus, konsultiert am: 11.10.2018)

Anicier: Anicius war der Name einer adligen römischen Familie, der gens Anicia. Sie ist seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. bezeugt, erreichte im 2. Jahrhundert v. Chr. das Konsulat und stieg damit in die Nobilität auf. Sie trat in republikanischer Zeit eher wenig in Erscheinung, dafür umso mehr in der späten Kaiserzeit. Im 4. Jahrhundert n. Chr. gewann die Familie durch die Christianisierung des Imperiums an Einfluss, da sie zu den ersten großen Geschlechtern zählte, die zum neuen Glauben übertraten. Es ist allerdings unklar, ob sich die spätantiken Anicii/Anicier mit Recht auf die alte republikanische gens zurückführten – falls es eine Beziehung gab, dann wohl höchstens durch Adoption: Statistisch gesehen fehlte in der römischen Oberschicht etwa alle drei Generationen ein männlicher Erbe, weshalb praktisch alle alten republikanischen Senatorenfamilien bereits um das Jahr 100, spätestens aber zur Zeit der Severer in direkter Linie endeten. Dies galt wohl auch für die „republikanischen“ Anicier. …Im späten 5. und frühen 6. Jahrhundert lebte und wirkte Boëthius, der nicht nur Staatsmann, Konsul und „Kanzler“ war, sondern vor allem auch Philosoph, Theologe und Übersetzer. Neben Augustinus von Hippo und Gregor dem Großen (der wohl sehr wahrscheinlich auch ein Anicier war) gilt Boëthius (mit vollem Namen Anicius Manlius Severinus Boethius) als der größte (lateinische) Philosoph und Theologe der ausgehenden Spätantike. Weitere berühmte Angehörige des Geschlechts waren der weströmische Kaiser Olybrius, seine Tochter, die einflussreiche Aristokratin Anicia Iuliana. (Wikipedia)

Aporie [DN] [griechisch »Ratlosigkeit«, »Schwierigkeit«] die, -/…ˈri|en,  Philosophie: die Unmöglichkeit, zur Auflösung eines Problems zu gelangen, weil gegensätzliche Auffassungen sich gleich gut begründen lassen; beruht auf Widersprüchen in der Sache selbst oder in den verwendeten Begriffen. Die Bedeutung für jede wissenschaftliche Untersuchung, als heuristischen Ausgangspunkt die Aporie herauszuarbeiten, betonte z. B. Aristoteles: »Wer den Knoten nicht kennt, kann ihn auch nicht lösen« (Metaphysik 3, 1). Die Skeptiker, die sichere Erkenntnis für unmöglich hielten, sahen die Aporie als sinnvolles Resultat philosophischen Bemühens an. (Brockhaus, konsultiert am: 11.10.2018)

Athene: Die Göttin Athene kommt auf die Erde. Sie erscheint Achill. Das wird Ephiphanie genannt. Die Epiphanie Athenes wird im 1. Gesang der Ilias beschrieben/erwähnt. Das sei ein Vorbild für die Erscheinung der Dame Philosophie in der Consolatio.

Ausstellung in Kreuzlingen, Skizze : [NR]„Alles Leben spielt sich in Zellen ab“. Dieser Satz ruft Vorstellungen aus der Biologie und aus dem Strafvollzug auf. In den Sinn kann auch mobile Kommunikation kommen, und zwar Funkzellen zum Senden und Empfangen mittels Smartphones. Die Ausstellung fokussiert Kommunikation, Strafe und Leben mittels der Philosophie, genauer mit Abbildungen, die die Dame Philosophie in der Zelle vorstellen. Fünf Künstlerinnen und Künstler aus der Deutschschweiz nähern sich der Geschichte Vorstellungen von der Philosophie in der Zelle mit aktuellen Arbeiten. Ausstellung Kreuzlingen

Autoperzeption: [NR] Sich-selbst-Gewahren, ein Begriff von Leibniz, der Anlass zu folgender Diskussion gibt: Wo setzt es ein, dass ich mir selbst gewahr werde. Hintergrund ist, dass wir Tätigkeiten ausführen, z.B. tanzen, kochen oder zeichnen, sogar rechnen, in denen wir so konzentriert sind, dass wir nichts anderes wahrnehmen, weder, was ausserhalb von uns geschieht, noch dass wir etwas konzentriert tun. Wir sind einfach konzentriert. Dann gibt es einen Momenent, in dem wir gewahr werden, dass wir im Prozess sind. Damit beginnen wir, aus dem Prozess herauszutreten, oder vielleicht nur uns im Prozess wahrzunehmen. In Hinblick auf die Frage des Denkens von Bildern ist der Begriff Autoperzeption interessant: Wann setzt Autoperzeption beim Betrachten des Bilds, wann bei der Herstellung von Bildern ein.

Bildformatierungen: [VK] Unterschieden wird zwischen „Bildobjekt“ und „Bildvehikel“ Bsp.: Tierkopf (Bildvehikel) auf Bronzegefäss (Bildobjekt) aus: Wolfram Pichler / Ralph Ubl, „Bildtheorie zur Einführung“, (Hamburg, Junius Verlag, 2014), S. 136 …  „dass das Format des Bildvehikels sowohl auf den realen Raum wie auch auf das Bildobjekt bezogen ist.“ aus: Wolfram Pichler / Ralph Ubl, „Bildtheorie zur Einführung“, (Hamburg, Junius Verlag, 2014), S. 145 …„ … drängt die Frage auf, worauf wir uns beziehen, wenn wir vom perspektivischen Bild [VK] sprechen – auf das Bildvehikel oder das Bildobjekt?“ aus: Wolfram Pichler / Ralph Ubl, „Bildtheorie zur Einführung“, (Hamburg, Junius Verlag, 2014), S. 183 „…, die besondere Bedeutung der Perspektive für die Kunst möge damit zusammenhängen, dass sie von ihren Nutzern verlangt, Beziehungen zwischen Beziehungen zu erkunden, wie zum Beispiel diejenige zwischen der Verkürzung, die mit grösserer Distanz zur Projektionsebene stärker wird, und der Grössenreduktion, die in dem festen Verhältnis erfolgt, dass die Verdoppelung der Entfernung der Halbierung der Grösse entspricht.“ aus: Wolfram Pichler / Ralph Ubl, „Bildtheorie zur Einführung“, (Hamburg, Junius Verlag, 2014), S. 189 … „Die Perspektive ist, so Wiesing, das Werkzeug, das besonders gut geeignet ist, um jemandem zu zeigen, wie etwas von einem bestimmten Standpunkt aus aussieht.“ aus: Wolfram Pichler / Ralph Ubl, „Bildtheorie zur Einführung“, (Hamburg, Junius Verlag, 2014), S. 191

Bildprotokoll http://mediendenken-maschinendenken.ch/glossar_bildprotokoll/

Bild als Denkfigur Das Bild als Denkfigur, Simone Neuber, Roman Veressov, Hrsg., Fink, München 2010. In dieser Publikation befindet sich ein Text von Alison Ross, die Nancys Aufsatz Der Sinn des Bildes bespricht. Sie plädiert dafür, Nancys Materialitäts-Befürwortung (Sinnlichkeit) im Symbolischen zu situieren. Das Sinngeschehen im Bild lässt sich der Materialität verdanken, ohne spirituelle Tiefe (qua Tradition des Bildes) einzubüssen.

Boethius [NR]: Anicius (siehe auch: Anicier) Manlius, Severinus Boethius, um 480 oder etwas später geboren, wird nach dem frühen Tod seines Vaters im Hause des Symmachus aufgenommen, heiratet nach dem Studium dessen Tochter,sein Erstlingswerk ist eine verkürzte Übersetzung der Arithmetik des Nikomachos von Gerasa (um 100 n. Chr.), um 504/5 entsteht ein erster Kommentatr zur Isagoge des Porphyrios [im Anschluss an die Übersetzung des Marius Victorinus in 2 Büchern], um 505/6 … [to be continued] Konsul im Jahr 510, 522 werden seine beiden noch nicht erwachsenen Söhne Symmachuns und Boethius zusammen Konsuln. Boethius hält bei ihrem Konsulatsantritt eine Lobrede auf Theoderich, zum 1. September 522 wird er zum Magister officiorum ernannt, also zum ranghöchsten Minister. Im Herbst 523 wird er des Hochverrats (u.a.) angeklagt … Im Sommer 524 wird er zum Tod verurteilt, nach der Verurteilung brachte man ihn an einen Ort Ager Calventianus [südöstlich von Mailand], wo er im Oktober 524 mit dem Schwert hingerichtet wurde. (Zitat und Paraphrase aus Joachim Gruber, Kommentar zu Boethius, De Consolatione philosophiae ( 2. erw. Auflage, Berlin, New York: de Gruyter, 2006), S.3ff.

Boethius der historische Autor, Boethius die Figur: John Marenbon, Boethius (Oxford: Oxford University Presse, 2003), p. 99: “There is no good reason to suppose that the circumstances of its composition were other than they are described – those of a man in the condemned cell, with little hope of reprieve. But this is not to say that the states of mind attributed to the character Boethius need ever have been those of the real Boethius. Boethius the character is a persona, very possibly fictional in many of his thoughts and feelings, although sharing the events of Boethius the author’s life. It is important that the two figures be kept distinct …”

B.: [VK] Haben wir diskutiert als Abkürzung für “Boethius the character”. Wer ist wer in der Illustration ÖNB 271? In der römischen Antike hatte jede Familie Statuetten nahe dem Herd aufbewahrt, sogenannte “lares familares” (dt.: Laren). Sie werden auch “manes” genannt. Gutartig waren die lares. Sie wurden auch bei Tageslicht verehrt. Waren die manes (nicht einfach identisch mit den lares) bösartig, wurden sie auch larvae genannt. Larve ist heute noch ein altertümlicher Name für Maske. Siehe auch persona. Hierzu schreibt P. Courcelle [VK]: „Boèce git sur ce lit; il tourne la tête en arrière vers Philosophie et tient – assis dans sa main gauche – un petit personnage nu qui se détache sur fond neutre: ce personnage qui discute, main ouverte, avec Philosophie, doit représenter son âme.„ Übersetzung Vera: Boethius liegt auf dem Bett, der Kopf dreht er zur Philosophie und hält in seiner linken Hand eine kleine nackte, sitzende Figur die sich vom neutralen Hintergrund abhebt: die Figur diskutiert mit offener Hand mit Philosophie, sie muss die Seele von Boethius darstellen.” aus Pierre Courcelle: „Histoire littéraire des grandes invasions germaniques“, Etudes augustiniennes, 1964

Bricolage [DN] Der von Claude Lévi-Strauss 1962 in die Anthropologie eingeführte Begriff Bricolage (von frz. bricoler herumbasteln, zusammenfummeln) steht für ein Verhalten, bei dem der Akteur (Bricoleur) mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen Probleme löst, statt sich besondere, speziell für das Problem entworfene Mittel zu beschaffen. (Wikipedia, konsultiert am: 11.10.2018)

Capella: Martianus Capella, römischer Schriftsteller um 400 n. Chr. aus Karthago; verfasste eine Enzyklopädie (neun Bücher) der sieben freien Künste (Artes liberales), der er den allegorischen Rahmen einer Hochzeitsfeier des Merkur mit der Philologie (»De nuptiis Philologiae et Mercurii«; deutsch »Die Hochzeit der Philologie und des Merkur«) gab. Das Werk wurde im Mittelalter viel für den Unterricht benutzt, die deutsche Übersetzung stammt von Notker III. von St. Gallen. (Brockhaus)

Causa [NR]: Auch Grund, Ursache, Anlass. Aristoteles diskutiert in seiner Physikvorlesung (Physica (Physik), Buch II) unterschiedliche Anlässe. Eine davon ist die causa exmplaris, gemeint ist damit, dass das Urbild oder die Idee der Anlass zur Tätigkeit ist. Unterschieden davon sind die causa formalis und die causa materialis. Unter causa formalis verstehe ich vorläufig die Durchführung und Ausführung, die einem Stoff eine Form gibt. Der Stoff trägt die causa materialis bei. Klassisch verstanden: Die Idee eines Stuhls führt dazu dass Holz in der Gestalt eines Stuhls geformt wird. Interessant an diesen Unterscheidungen ist, dass sie zusammenwirken und gestatten, den Akt der Herstellung von etwas genauer zu beschreiben. Die Löcher im Pergament verstehe ich als causa materialis.

Codex (auch Kodex; lat. caudex = Holzblock). Bezeichnung für die sich vom 1. bis 4. Jahrhundert n.Chr. entwickelnde Buchform aus gefalteten Papyrus- oder Pergamentblättern, die zwischen Holzdeckel geheftet wurden, und die die bis dahin übliche Rollenform ablöste. Ein Codex aureus bezeichnet ein ganz in Gold geschriebenes Buch, meist ein → Evangeliar. (Faksimiles, Quaternio Verlag Luzern)

Codices Boethiani: Das Warburg-Institut in London hat vier Bände publiziet, in denen sämtliche Handschriften von Boethius weltweit beschrieben werden. Beschrieben werden in Band II die Handschrift in Wien Nationalbibliothek 271; und die Handschrift in der ZB Zürich. In folgendem pdf auf den Seiten p.9 und p. 15 nach: Lesley Smith (Hrsg.), Codices Boethiani: A Conspectus of Manuscripts of the works of Boethius II (London 2001)Warburg_Codices_Wien_Nationalbibliothek.

Dialog Unter dem Gesichtspunkt der Fragestellung des „Boethius Christianus“ kommt es zu folgenden divergierenden Einschätzungen:
A. Ob der Text als Dokument einer philosophischen Argumentation gedeutet werden kann und dann als Seelenführung und „Therapie“ lesbar ist (Donato) oder B. ob der Text einen Dialog szenisch organisiert, der die Grenzen philosophischen Argumentierens thematisiert (Marenbon 2015).
Vor diesem Hintergrund gewinnt die visuelle Darstellung der Figuren an Relevanz im Verhältnis zur Organisation der Figuren innerhalb der Textstruktur: Das betrifft die unterschiedliche Grösse der Figuren, ihre Positionierung als stehend, liegend oder sitzend im Bildraum, der auch in unterschiedliche Räume gegliedert sein kann. Dabei gilt es, zwischen unterschiedlichen medialen Orientierungen der sinnlichen Aufmerksamkeit zu unterscheiden. Wird ein Gespräch dargestellt, ein mündlicher Vortrag, der als Lesung organisiert ist, oder nicht? Ausgehend davon, dass Boethius’ Text mündlich vorgetragen worden ist, muss die Präsenz von Schriftzeichen und Schreibwerkzeugen detailliert betrachtet werden.
Die oder der Mitarbeitende wird die Ausgangsbilder auf Linien oder Vektoren untersuchen, die sich ergeben:
A. zwischen den dargestellten sinnlichen Organen der Figuren;
B. zwischen den dargestellten Zeichenträgern;
C. der Architektur des Bildraumes.
Dies geschieht analog zu Darstellungen der Sichtlinien bei Analysen von zentralperspektivisch organisierten Bildern.
Vorausgesetzt werden ein Abschluss auf M.A.-Niveau Fine Arts und Forschungserfahrung.
Barbara Ellmerer und N.N. werden während des Projekts Bildprotokolle erstellen mit dem jeweiligen Fokus sowie an interner Koordination, Workshops, der Tagung und der Ausstellung mitwirken.
(SNF-Antrag)

Diatribe [DN] [griechisch »Verweilen«, »Unterhaltung«, »Gespräch«, eigentlich »das Zerreiben«] die, -/-n, popularphilosophische, satirische »Moralpredigt«, mit der die griechischen Philosophen, besonders die Kyniker, eine große Breitenwirkung erzielen wollten. Als Schöpfer der Diatribe gilt Bion von Borysthenes (3. Jahrhundert v. Chr.). Sie beeinflusste auch die römische Literatur (z. B. die Satiren des Horaz) und die christliche Verkündigung. (Brockhaus, konsultiert am: 11.10.2018)

Diegese: Erzählung, Diegese Diägeomai M. auseinandersetzen, (eingehend) erzählen, darstellen, berichten, schildern, beschreiben, verkündigen: Unterschieden wird zwischen intra- und extragetisch. Extragdiegetisch sind z.B. der Lebensereignisse des Boethius (Verurteilung zum Tode); intradiegetisch ist der Dialog zwischen der Dame Philosophie und der Figur des Boethius.

Dissimulation [DN] [zu lateinisch dissimulare »verbergen«, »verheimlichen«] die, -/-en, bewusstes Verheimlichen oder Bagatellisieren von physischen und psychischen Störungen aus Angst vor sozialer Diskriminierung und Isolation, aber auch zum Erlangen eines Versicherungsschutzes oder als Symptom einer Depression, wobei die Schwere der Erkrankung (z. B. Selbsttötungsgedanken) verleugnet wird. (Brockhaus, konsultiert am: 11.10.2018)

Epiphanie [griechisch »Erscheinung«] die, -, das unmittelbare Erscheinen einer Gottheit in eigener Gestalt oder einer besonderen Manifestation (Theophanie). (Brockhaus)

Gorgias: Gorgias von Leontinoi, griechischer Philosoph und Rhetor, * Leontinoi (heute Lentini) um 485 v. Chr., † wohl in Thessalien (Larisa?) um 380 v. Chr.; neben Protagoras der bedeutendste Vertreter der Sophistik, kam 427 als Gesandter nach Athen, führte dann nach Art der sophistischen Redner ein Wanderleben. Von seinem Werk sind überliefert: u. a. zwei Verteidigungsreden für Helena und Palamedes und Auszüge aus der philosophischen Abhandlung »Über das Nichtseiende oder die Natur«. Diese Schrift enthält die berühmten skeptisch-relativistischen Thesen: 1) »Nichts ist«; 2) »Selbst wenn etwas ist, so ist es doch unerkennbar«; 3) »Selbst wenn es erkennbar ist, ist es doch nicht mitteilbar«, die in ihrer Deutung jedoch umstritten sind (»Scherz« oder ernst zu nehmende Reaktion auf die eleatische Ontologie). Gorgias von Leontinoi war als Rhetor einflussreich (»gorgianischer Stil«). Platon, der einen Dialog nach ihm benannte, hat Gorgias von Leontinoi kritisiert und negativ gezeichnet. (Brockhaus)

Gewandung/Textur Die wechselnde Grösse der Philosophia, die das Verhältnis von Philosophie und Weisheit auf der Textebene als interpretationsbedürftig signalisiert, stellt bei der Übersetzung des Texts in Abbildungen eine bildkompositorische Herausforderung dar, die die Gewandung besonders auflädt, einmal weil der Text hier Vorgaben wie Schriftzeichen und Gebrauchserscheinungen setzt; dann, weil hier aussertextliche Bezüge relevant werden und in Konflikt treten mit dem Text. Im Zentrum dieses Aspekts der Untersuchung steht die Analyse von Differenzen in den Darstellungsweisen von Gewandung und Körpern des Ich-Erzählers oder des Autors Boethius im Vergleich zu der Philosophia. Besondere Aufmerksamkeit wird hier der Frage gelten, ob das Kleid der Philosophia stets als Kennzeichen philosophischer Expertise gedeutet werden kann, oder ob hier Eigendynamiken feststellbar sind, die der wechselnden Grösse oder anderen Faktoren – wie der Gewandung der jeweiligen Zeit – geschuldet sind. Konkret heisst das für Barbara Ellmerer, dass sie das jeweilig zu befragende Bild in seine Einzelkomponenten zerlegen wird, und zwar ausschliesslich in Bezug auf die Attribute, die den Körper tangieren und seine anliegenden Objekte. Dies umfasst: Alles Textile, die Faltenwürfe, strukturgebende und körperformende Elemente wie Gürtel, Bänder, Korsagen etc., und wie diese teilweise übergehen in Objekte, die nicht mit dem Körper verbunden sind, jedoch dem Wissenstransfer dienen sollen.
Augenfällig an den prächtigen Darstellungen des 15. Jahrhunderts ist, dass hier die Körperformen verändert dargestellt werden und demzufolge auch die weiblichen und männlichen Kleidungsstücke, die stärker auf die Bildräume zugreifen (hier wird es Verbindungen geben zur anderen künstlerischen Untersuchung zum Raum und der Perspektive). Es wird untersucht, ob sich das Gewand als Ausdehnung der jeweiligen Körper als Wissen manifestiert und/oder sich mit Insignien der Macht behilft, um Wissen zu transportieren. Hier werden bereits Differenzen festzustellen sein zu den frühmittelalterlichen Bildsprachen, wo eine Verschmelzung des Kleides mit dem Raum mittels Text auf Spruchbändern üblich war, hin zu einer Omnipräsenz von Buchobjekten, die parallel zu laufen scheint mit der Ausschmückung des Körpers/der Gewänder der Philosophia. Ein Moment wird in Holzschnitten zusätzlich zu beobachten sein, und zwar, wie sich die (aus ökonomischen Gründen zusammengesetzten) Bildstöcke auf die Darstellungen der Körper bildgestalterisch auswirken. Die Körper sinken tiefer in die voluminös gewordenen Faltenwürfe, die sich wiederum homogener in Raum und Landschaft einbinden. Die Ziele werden erreicht, indem man die historischen Bilder befragt mittels: Systematischer Zerlegungen in ihre Komponenten von Zeichen und Formen, Linien und Flächen, ihrer meist narrativ zu lesenden Bildsprachen, explizit der Körper darin. Durch das Demontieren, auch durch Weglassen bzw. Hinzufügen von Details, durch erneute Zusammensetzung der Elemente kann Erkenntnis gewonnen werden. (SNF-Antrag)

Grössen: Die drei verschiedenen Grössen der Philosophia nach Jürgasch: „Betrachtet man die Philosophie in diesem Stadium ihrer Entwicklung, so zeigt sich, dass sie im Kontext des boethianischen Bildes der unterschiedlichen Grössen der ‚Philosophia‘ durch die erste der drei gegebenen Grössen beschrieben werden kann. Die erste Grösse der ‚Philosophia‘, die Boethius beschreibt, ist die dem menschlichen Mass entsprechende, auf welche sich seine Besucherin zusammengezogen habe.“ Thomas Jürgasch „Statura discretionis ambiguae“. Eine Betrachtung der wechselnden Grösse der ‚Philosophia‘ in Boethius’ ‚Consolation Philosophiae‘ (Frankfurt am Main, Vittorio Klostermann, 2004), S. 172. „Auch ist die Philosophie nach Aristoteles als die ‚göttlichste‘ (ϴϵІоτάτη) aller Wissenschaften zu betrachten, weil sie, das Prinzip bedenkend, die Wissenschaft ist, die die Gottheit selbst am meisten besitzt und die vom Göttlichen handelt. All dies legt nahe, die ‚aristotelische ‚Philosophia‘‘ als eine mit dem Scheitel an den Himmel stossende zu begreifen, die mithin die zweite der von Boethius beschriebenen Grössen erreicht.“ Thomas Jürgasch „Statura discretionis ambiguae“. Eine Betrachtung der wechselnden Grösse der ‚Philosophia‘ in Boethius’ ‚Consolation Philosophiae‘ (Frankfurt am Main, Vittorio Klostermann, 2004), S. 185–186. „Die plotinische Einsicht in die notwendige Voraussetzung einer vollkommenen Einheit lässt ein Wissen aufscheinen, das als das Wissen von einem jenseitigen Prinzip die ‚Philosophia‘ des Boethius in ihrer dritten Grösse charakterisiert. […] In dieser Phase seiner Entwicklung kommt das philosophische Wissen aus Sicht des Boethius zu seiner Vollendung und der durch das Bild der wechselnden Grösse der ‚Philosophia‘ beschriebene Gang durch die Stadien der Entwicklung dieses Wissens zu seinem Ende. Und zu Recht kann hier das aufscheinende Wissen dabei als „vollendet“ bezeichnet werden.“ Thomas Jürgasch „Statura discretionis ambiguae“. Eine Betrachtung der wechselnden Grösse der ‚Philosophia‘ in Boethius’ ‚Consolation Philosophiae‘ (Frankfurt am Main, Vittorio Klostermann, 2004), S. 188.

Heraldische Lilie: Die heraldische Lilie ist in der Heraldik eine gemeine Figur, bestehend aus drei stilisierten Blättern, die von einem Band zusammengehalten werden. Das mittlere Blatt ist oben und unten zugespitzt, die äußeren Blätter hängen herab und sind oben nach außen umgebogen. Das Zeichen ist eine stilisierte Schwertlilie (Iris), die mit der Lilie (Lilium) botanisch nur entfernt verwandt ist. (Wikipedia)

Honigbecher [NR]: Honigbecher-Vergleich, Lukrez 935-42: Dichtung, das heisst künstlerische Darstellung wird verwendet um, schwer Verständliches zu verabreichen: Dichtung entspricht dem Honig, das schwer Verständliche: der Philosophie oder der Atomtheorie, siehe auch Marcus Deufert, Pseudo-Lukrezisches im Lukrez : die unechten Verse in Lukrezens “De rerum natura” (Berlin [etc.] : de Gruyter, 1996. (Untersuchungen zur antiken Literatur und Geschichte ; Band 48)), S. 85 (https://books.google.ch/books?id=L3ldDwAAQBAJ&pg=PA85&lpg=PA85&dq=Lukrez+Dichtung+Medizin&source=bl&ots=EsPEYFLLFf&sig=H40Mt5iu-6eM1v2y82GTSVSACSY&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwjl0Y_GmuzdAhWL1ywKHX3nD8cQ6AEwAHoECAkQAQ#v=onepage&q=Lukrez%20Dichtung%20Medizin&f=false) Vielleicht relevant: Marcus Deufert, Kritischer Kommentar zu Lukrezens “De rerum natura” (Berlin : De Gruyter, [2018]. (Texte und Kommentare ; Band 56) [011092680])

Idee: [NR] Im Neuplatonismus: Die Idee wird verstanden als Urbild, das vor der Schöpfung der Welt besteht. Es ist abhängig vom Einen (manchmal gleichgesetzt mit dem Schöpfergott). Sie sind dem Geist zugeordnet. Das ist eine besondere Sphäre, zu der die menschliche Seele Zugang suchen kann. Eine Idee ist unterschieden vom Konzept oder Begriff (conceptus (lat.) oder concetto (italienisch), Riss, Aufriss (deutsch). Konzept und Begriff sind klare Vorstellungen von etwas, das die menschliche Seele fassen oder schaffen kann. Annäherungen zwischen Idee und Konzept entwickeln sich erst in der Neuzeit (nach dem Mittelalter, nach der Antike, in der Boethius schreibt).

Ikone: Etymologisch leitet sich das Wort „Ikone“ von griech. eikon ab, was soviel bedeutet wie „Bild“ und „Abbild“, wobei der Begriff sowohl materielle Bilder als auch intelligible Gegebenheiten bezeichnen kann. aus: Stephan Günzel/Dieter Mersch: „Bild. Ein interdisziplinäres Handbuch“ (Stuttgart, Metzerlverlag, 2014) S. 157

Inkunabel [DN] [lateinisch incunabula »Windeln«], die, -, -n, Wiegendruck, Bezeichnung für die frühesten, bis einschließlich 31. 12. 1500 nach dem Verfahren J. Gutenbergs hergestellten Erzeugnisse der Buchdruckerkunst. (Brockhaus, konsultiert am: 11.10.2018)

Mediality, hier Christian Kiening [NR*]: C. Kiening, Fülle und Mangel – Medialität im Mittelalter (Zürich: Chronos, 2016)

Neuplatonismus ist eine moderne Bezeichnung für die jüngste Schulrichtung im antikenPlatonismus, der eine der bedeutendsten Strömungen der griechischen Philosophie war. Der Neuplatonismus entstand vor der Mitte des 3. Jahrhunderts aus dem Mittelplatonismus. Von Rom aus, wo der Philosoph Plotin († 270) eine neuplatonische Philosophenschule gegründet hatte, breitete sich die neuplatonische Bewegung über das Römische Reich aus. In der Spätantike war der Neuplatonismus die einzige übriggebliebene Variante des Platonismus. Er dominierte das gesamte philosophische Denken dieser Epoche. Die anderen traditionsreichen Schulen der antiken Philosophie waren weitgehend erloschen.(Wikipedia)

Paläografie [DN] die, -, Paläographie, Lehre von den alten Formen der Buchstabenschrift und ihrer Entzifferung, auch von antiken und mittelalterlichen Abkürzungen. Sie schließt die Geschichte der abendländischen Schriftformen ein. Paläografische Kenntnisse sind nötig, um alte Texte lesen und Zeit und Art ihrer Niederschrift bestimmen zu können. Die Paläografie ist so ein wesentlicher Teil der Handschriftenkunde und eine wichtige historische und philologische Hilfswissenschaft. Als Sonderdisziplin abgespalten ist die Inschriftenkunde, die sich mit Schriften auf Stein, Metall u. Ä. beschäftigt. – Bei den Abkürzungen unterscheidet man Kontraktionen und Suspensionen. In älteren Handschriften nur selten verwendet, nahmen sie gegen Ende des Mittelalters überhand. (Brockhaus, konsultiert am: 11.10.2018)

Palimpsest (griech. palin psestos = wieder abgekratzt). Der Begriff, der dem lateinischen codex rescriptus (= wiederbeschriebenes Buch) entspricht, spielt in den Gepflogenheiten fast aller Schriftkulturen eine Rolle. Im frühen Mittelalter war es vielfach üblich, das teure → Pergament von nicht mehr benötigten Büchern abzuwaschen oder die bisherige Beschriftung abzukratzen, um den Beschreibstoff erneut verwenden zu können. Der modernen Technologie ist es gelegentlich möglich, die unter dem obersten Schriftspiegel liegenden älteren Texte sichtbar zu machen. Vor allem Werke mancher antiker Schriftsteller sind einzig als derartige Palimpseste erhalten geblieben.(Faksimiles, Quaternio Verlag Luzern)

Parmenides aus Elea (griechisch Παρμενίδης Parmenídēs; * um 520/515 v. Chr.; † um 460/455 v. Chr.) war einer der bedeutendsten griechischen Philosophen. Er wird zu den Vorsokratikern gezählt und lebte in Elea, einer von Griechen gegründeten Stadt in Süditalien, und gilt als ein Hauptvertreter der eleatischen Schule. (Wikipedia)

persona: ae f. (lat.): 1. Maske (tragica); 2. metonymisch Rolle (im Schauspiel). Stowasser 1980

Personifikation [DN] die, -/-en,  Kunst- und Kulturgeschichte: bildhafte Vorstellung eines allgemeinen Begriffes oder Naturphänomens, teils als Gottheit (römische Kultur, z. B. Concordia), dann teils als Naturgottheit (Nymphen), v. a. als Allegorie. xxx Personifikation die, -/-en,  Religionsgeschichte: die Vorstellung des Numinosen oder Göttlichen nach dem Modell menschlicher Personalität. Historisch scheint die Personifikation mit der Ausbildung von Hochkulturen aufgekommen zu sein, während in der prähistorischen Zeit das Göttliche als Sache, nach Art übermenschlicher Kräfte oder Mächte (Mana), gedacht wurde. Voraussetzung für die Personifikation ist ein kultureller Sprung, in dem die Menschen sich deutlicher ihrer Unterschiedenheit von der sonstigen Natur und ihrer Herrschaft über sie (durch Ackerbau, Domestizierung von Tieren, Stadtkultur und Handwerk) bewusst wurden. In der Personifikation des Göttlichen und der Ausbildung des Polytheismus setzten sie auf die Gültigkeit dessen, was sich in der menschlichen Geschichte – und nicht in der sonstigen Natur – findet, nämlich der Personalität. Im Zusammenhang mit dieser Personifikation kam es zu einer religiösen Umorientierung von chthonischen, meist weiblich gedachten Kräften zu – v. a. männlichen – Himmelsgottheiten. Die »persönlichen« Eigentümlichkeiten von Göttern wurden mittels differenzierter Mythensysteme spezifiziert, die oft auch schriftlich fixiert wurden. (Brockhaus, konsultiert am: 11.10.2018)

Perspektive: [zu spätlateinisch perspectivus »durchblickend«] die, -/-n,  darstellende Geometrieund bildende Kunst: die zweidimensionale, ebene bildliche Darstellung dreidimensionaler (räumlicher) Objekte mithilfe einer Zentralprojektion (Zentralperspektive) – im weiteren Sinne auch die Darstellung mithilfe einer Parallelprojektion (Parallelperspektive in der Axonometrie) –, die dem Betrachter ein anschauliches (»naturgetreues«) Bild des Objekts vermitteln, d. h. den gleichen Bildeindruck hervorrufen soll wie das Objekt selbst (Projektion). (Brockhaus)

Platonismus (Philosophie): Elemente aller (oder doch der meisten) Spielarten des Platonismus sind: a) die Annahme erster, göttlicher Prinzipien sowie die These von der Wirklichkeit als einer gestuften Ordnung; b) die These von der Transzendenz eines absoluten ersten Prinzips; c) die Vorstellung, dass das Schöne in der sinnlichen Welt als »Abbild« der Ideenordnung zu verstehen ist; d) der Gedanke, dass die Welt nach mathematischen Proportionen geordnet ist und dass Zahlen und andere Objekte der Mathematik selbstständig existieren; e) die Überzeugung, dass dem Menschen strikte moralische Standards auferlegt sind und dass Menschen sich von der Welt des Sinnlichen, Körperlichen und Lustvollen abzuwenden haben; f) eine enge Verbindung aus philosophischer Rationalität einerseits und mythischen Erzählungen sowie mystischen Praktiken der Religionen andererseits. (Brockhaus)

Plotin: griechisch Plotinos, griechischer Philosoph, * um 204/205, † Minturnae (Kampanien) vor dem 25. 5. 270; Begründer und früher Hauptvertreter des Neuplatonismus und einer der bedeutendsten Philosophen der griechisch-römischen Spätantike. Einzige Quelle für die Biografie Plotins ist der Lebensbericht (»Vita Plotini«) seines Schülers Porphyrios von Tyros. Danach studierte er von ca. 231 bis 242 bei dem Platoniker Ammonios Sakkas in Alexandria; möglich ist, dass der Kirchenvater Origenes einer seiner Mitschüler war. Im Jahre 242 nahm Plotin am Persienfeldzug von Kaiser Gordian III. teil, »um die Philosophie der Perser und Inder kennenzulernen«. Nach der Ermordung Gordians III., 244, floh Plotin nach Rom. Dort gründete er im Alter von etwa 40 Jahren eine philosophische Schule, deren Hörerschaft z. T. aus der römischen Oberschicht stammte. P. verkehrte in führenden politischen und gesellschaftlichen Kreisen Roms und genoss das Wohlwollen von Kaiser Gallienus und dessen Frau. Sein Plan, eine philosophische Idealstadt, »Platonopolis«, in Kampanien zu gründen, scheiterte jedoch an einer Intrige am Kaiserhof. Nach der Ermordung des Gallienus (268) verlor er offenbar an Einfluss; es wird von einer schweren und schließlich tödlichen Erkrankung Plotins berichtet. Zwischen 254 und 270 verfasste Plotin ein umfangreiches Schriftenkorpus, das durch Porphyrios’ Edition der »Enneaden« (griechisch Neunheiten) in Form von 54 Traktaten vollständig überliefert ist (Porphyrios’ ordnete die Schriften in sechs Gruppen zu je neun Abhandlungen). (Brockhaus),

Produktionsmittel, Geräte, implizites Wissen [NR]: Dürers Melencolia I rekonfiguriert die mit Courcelle eingegrenzte Bildgruppe der Ikonografie und öffnet zugleich eine Interpretation dieser Bildgruppe, die an heutigen epistemologischen Fragen orientiert ist und von modernem Medienbewusstsein imprägniert ist, in Hinblick auf das Wissen, das in der künstlerischen Praxis thematisiert wird. Die Funktion der Mittel, die bei der Produktion zur Hand sind, wird in neueren Forschungen zu Prozessen der Wissenserzeugung in Philosophie und Wissenschaft analysiert. So spricht Rheinberger von technischen Geräten als Verdichtungen und Konkretisierungen von Gewohnheiten (Rheinberger 2003), oder so analysiert Zittel in den Illustrationen Descartes’ die Funktion der Hand, die Instrumente hält. In den Prinzipien der Philosophie (1644) werden etwa Hände gezeigt, die Artefakte halten, mit denen sie schleifen, zeichnen oder idealisierte Gegenstände erfassen. Am Beispiel der Konstruktion einer Ellipse führt Zittel aus, dass das Bild „das Zeichnen des Zeichnens“ zeigt. Ihm kommt dadurch „eine selbstreflexive Dimension zu, vor allem aber macht es zum anderen auf den konkreten manuell-konstruktiven Akt der Wissenserzeugung aufmerksam“ (Zittel 2009, 392f., besonders 395). Rheinberger und Zittel stimmen darin überein, dass Geräte implizites Wissen enthalten und damit nicht begrifflich artikulierte Möglichkeiten der Modellierung von Erfahrenheit. Dürers Kupferstich dokumentiert eine Vertrautheit des Künstlers mit dieser Ikonografie der Philosophie. Die von ihm dargestellten Werkzeuge sind nicht nur als Attribute lesbar, sondern auch als Hinweise auf die Reflexion künstlerischer Praxis. Als Träger impliziten Wissens ist ihnen eine erkenntnistheoretische Dimension eingeschrieben. Damit ist eine Perspektive auf die Attribute in den Dürer vorgängigen Dokumenten der Ikonografie der Philosophie gegeben, die das Forschungsprojekt für die Verschränkung zwischen Ausgangsbildern und Zielbildern fokussieren kann. In der aktuellen Forschungsliteratur werden Perspektiven eröffnet, in denen diese Fokussierung produktiv wird.

Prosimetrum [DN] Der Begriff ist zusammengesetzt aus den Bezeichnungen Prosa und Metrum, die je die beiden hauptsächlichen Gattungen von Sprache beschreiben: normale, alltägliche Sprache (Prosa) und gebundene, einem formalen dichterischen Prinzip folgende Sprache (Dichtung, Verse, Metrum). Die Zusammensetzung dieser beiden Begriffe zum Wort Prosimentrum spiegelt sinnbildlich die beiden Bestandteile prosimetrischer Texte wider, die ja aus prosaischen und metrischen Teilen zusammengesetzt sind. (Wikipedia, konsultiert am: 11.10.2018)

Raum in der Consolatio: Andreas Kirchner „Die Consolatio Philosophiae und das philosophische Denken der Gegenwart“, in:Thomas Böhm, Thomas Jürgasch, Andreas Kirchner (eds.), Boethius as a paradigm of Late ancient thought (Berlin: De Gruyter, 2014), 171-211 Kirchner

Räumliche Relationsangaben: Die Philosophia tritt nun an ihn heran–genauerhin an sein Haupt (supra verticem visa), denn hier hat die Philosophie ihren Ort (1,4,24-25). Dass diese Darstellung in einer Tradition von Epiphanie-Beschreibungen steht, wirft die Frage auf, warum der Autor sich hier dieser Tradition bedient. Dass räumliche Relationsangaben in der Consolatio–wie auch in der spätantiken Philosophie insgesamt–mit starken symbolischen Gehalt aufgeladen sind, darf nicht unbeachtet bleiben. Wenn es etwas heisst, die Philosophia begegne dem Ich-Erzähler hier vom Kopf, d.h. vom Denken her, so wird diese räumliche Vorstellung ganz bewusst eingesetzt. (Andreas Kirchner: „Die Consolatio Philosophiae und das philosophische Denken der Gegenwart“ in „Boethius as a paradigm of late ancient thought“ (Berlin/Boston, De Gruyter Verlag, 2014), S. 180)

Reichenauer Malschule: Unter dem Begriff Reichenauer Malschule oder Reichenauer Schule werden die von unterschiedlichen Künstlern stammenden Werke der „Reichenauer Buchmalerei“ des 10. und 11. Jahrhunderts zusammengefasst. Es handelt sich um eine Gruppe von rund 40 überwiegend liturgischen Prachthandschriften, die zu den Höhepunkten der Kunst im 10. und 11. Jahrhundert gezählt werden. Aufgrund stilkritischer Argumente vermutet man eine gemeinsame Entstehung auf der Klosterinsel Reichenau im Bodensee. Die paläographischen Merkmale verweisen allerdings auf die Skriptorien von Trier, Köln und Seeon. Als Stiftungen von weltlichen und geistlichen Fürsten gelangten sie an Kirchen im ganzen ottonischen und salischen Reich, wo sie aufgrund ihrer kostbaren Ausgestaltung nur zu besonderen Anlässen Verwendung fanden. Ein Teil der heute in Bibliotheken in ganz Europa aufbewahrten Codices gehört seit 2003 zum UNESCOWeltdokumentenerbe. (Wikipedia)

Rubrizierung ….Für die R. benutzte man überwiegend eine Tinte, die aus Mennige oder zerriebenem Zinnober (minium) in Wasser unter Zusatz von Eiweiß oder Eigelb angesetzt wurde. Dieses rote Pigment wurde entweder aus natürlichen Vorkommen oder in einem Herstellungsprozess (erstmals in der Mappae Clavicula erwähnt) gewonnen. Der mit der Rubrizierung beschäftigte Schreiber, der Rubrikator, übernahm nicht nur die Einfügung roter Textelemente in die bereits geschriebene Handschrift, sondern korrigierte bei Bedarf auch die von den Skriptoren vor ihm gefertigten Textabschnitte. Ferner nahmen die Rubrikatoren auch Auszeichnungen mit blauen (lazurium) und grünen Pigmenten vor. Rote und blaue Anfangsbuchstaben treten seit dem 13. Jahrhundert häufiger auf. (Wikipedia)

Rubrik [spätmittelhochdeutsch rubrik(e) »rot geschriebene Überschrift (die einzelne Abschnitte trennt)«, von lateinisch rubrica (terra) »rote Erde«, »roter Farbstoff«, »mit roter Farbe geschriebener Titel eines Gesetzes«, zu ruber »rot«] die, -/-en, Buchwesen: die in mittelalterlichen Handschriften, später in Inkunabeln von den Rubrikatoren von Hand in roter, seltener blauer Farbe eingemalten Überschriften, Initialen und sonstige Schmuckelemente, um Abschnitte zu kennzeichnen. Sofern dazu nur einzelne Zeichen verwendet wurden, heißen diese Rubrum. In späterer Zeit wurden für Rubra typografische Sonderzeichen eingeführt, die mitgedruckt wurden. (Brockhaus)

Das Schöne im Platonismus/Neuplatonismus: Jens Halfwassen, „Schönheit und Bild im Neuplatonismus“, in: Verena Olejniczak Lobsien und Claudia Olk (Hg.), Neuplatonismus und Ästhetik : zur Transformationsgeschichte des Schönen (Berlin : De Gruyter, 2007), S. 43-57.Halfwassen_Das Schöne

Schurz: [BE] Joh. 12,4 (Das Neue Testament hrsg. von Eberhard Nestle (Stuttgart: Privilegierte Württembergische Biebelanstalt, 1906)): „stund er [Jesus] vom Abendmahl auf, legte seine Kleider ab, und nahm einen Schurz und umgürtete sich.“

Spolien [DN] [lateinisch spolia (Plural) »Erbeutetes«, »Geraubtes«, eigentlich wohl »Abgezogenes«], Bauteile oder andere Artefakte aus einer älteren Kultur, die in einem neuen Zusammenhang wiederverwendet wurden, so antike Gemmen und Reliefs auf mittelalterlichen Buchdeckeln, Kreuzen, Reliquiaren; antike Säulenschäfte, Kapitelle und Gesimse in der islamischen und frühchristlichen Baukunst. (Brockhaus, konsultiert am: 11.10.2018)

Spruchband, Banderole, Kunst: [BE] bandartiger Streifen, oft in Form einer Schriftrolle, auf dem in bildlichen Darstellungen des Mittelalters die den Figuren zugedachten Worte (Legende) geschrieben sind. (Brockhaus) xxx Als Spruchband bezeichnet man in der mittelalterlichen Malerei Texte in Form von flatternden Bändern, die das gesprochene Wort oder auch das gesungene Wort darstellen sollen. Sie entsprechen Sprechblasen in Comics. Sie werden auch als „Symbol des mündlichen Wortes“ bezeichnet bzw. unter dem Aspekt der Schriftbildlichkeit, also der Interaktion von Bild und Text, untersucht.[1] Besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang mittelalterlichen Stifterabbildungen zu, die den Namen der Auftraggeber als gemalten Text festhielten und auf diese Weise die reine Bildinformation um – für bereits alphabetisiertestädtisch-merkantile Eliten – lesbare Inhalte ergänzten.[2]Auch in Wappen finden sich auf Spruchbändern die Devise (Wahlspruch) oder das Panier (Kriegsgeschrei). (Wikipedia); dazu schreibt: Sybille Krämer: Die Schrift als Hybrid aus Sprache und Bild. Thesen über die Schriftbildlichkeit unter Berücksichtigung von Diagrammatik und Kartographie. In: Bilder. Ein (neues) Leitmedium? Hrsg. von T. Hoffmann und G. Rippl, Göttingen 2006, S. 79–92.

Stilus: [NR] Schreibstift, Griffel (aus Holz, Bein oder Metall), mit dessen spitzem Ende man auf Wachstafeln schrieb; Schreibfehler änderte man durch Glattstreichen mit dem breiten Ende. (Der kleine Stowasser – Lateinisch-Deutsches Schulwörterbuch (München: G.Freytag, 1980), S. 432).

Stilus / Griffel: Boethius sitzt in dieser Zelle und – umringt von den Dichter_musen, den camenae bzw. musas – schreibt er mit dem Griffel* schweigend nieder, was diese ihm eingeben. *(Fussnote 21) Das stilus-Motiv, welches auch in den Theologischen Traktaten an prominenter Stelle wiederholt vorkommt, wirkt bei Boethius eigentümlich aufgeladen… Der Griffel ist zunächst einmal Ausdruck des Schreibens. Der sonst damit verbundene Reflexionsprozess, welcher Äusserung des Denkens ist, ist hier jedoch gerade nicht erreicht; vielmehr schreibt Boethius seine Klage nieder, welche sich blind auf die äussere Vergangenheit richtet. Hier ist der stilus Medium der memoria. Andreas Kirchner: „Die Consolatio Philosophiae und das philosophische Denken der Gegenwart“ in „Boethius as a paradigm of late ancient thought“ (Berlin/Boston, De Gruyter Verlag, 2014), S. 178

Stufen, Treppen auf dem Kleid der Philosophia: An der Universität Zürich fand ein Seminar zur Allegorie statt, in dem die Bildgeschichte aufgearbeitet/aufgezeigt wurde. Es ist dort auch ein Eintrag zu dem Boethius-Bild, zu dem das Bildprotokoll 0 erstanden ist. Sehr empfehlenswert, auch eine Illustration (München), die uns bisher nicht aufgefallen ist: https://www.uzh.ch/ds/wiki/ssl-dir/Allegorieseminar/index.php?n=Main.LeiternUndStufen

Symposion (Platon): Das Symposion (altgriechisch Συμπόσιον Sympósion „Das Gastmahl“ oder „Das Trinkgelage“, latinisiert Symposium) ist ein in Dialogform verfasstes Werk des griechischen Philosophen Platon. Darin berichtet ein Erzähler vom Verlauf eines Gastmahls, das schon mehr als ein Jahrzehnt zurückliegt. An jenem denkwürdigen Tag hielten die Teilnehmer der Reihe nach Reden über die Erotik. Sie hatten sich die Aufgabe gestellt, das Wirken des Gottes Eros zu würdigen. Dabei trugen sie von unterschiedlichen Ansätzen aus teils gegensätzliche Theorien vor. Jeder beleuchtete das Thema unter einem besonderen Aspekt. Es handelt sich nicht um einen Bericht über ein historisches Ereignis, sondern um einen fiktionalen, literarisch gestalteten Text. (Wikipedia)

Syntax: Nachname, Vorname, Titel des Buchs (Ort: Verlag, Jahr), S.; bei Zitaten aus Online-Quellen: Adresse, zul. abgeruf. Datum, z.B. http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b8490090z/f60.image , zul. abgeruf. 31.3. 2017

Verschränkung [NR]: Unter Verschränkung ist hier nicht eine Anspielung auf den Begriff der Quantentheorie zu verstehen (Barad 2015), sondern gemäss Duden ein „Ineinandergreifen“, bei dem die Unterschiede gewahrt und erkennbar bleiben, in diesem Fall zwischen sprachlich-begrifflicher Argumentation und visuell-künstlerischer Praxis. Diese Verschränkung erzielt das Forschungsprojekt durch das Bildprotokoll und die Diskussion des Bildprotokolls in Workshops: Das Bildprotokoll wird als methodisches Werkzeug der Verschränkung entwickelt

Visuelle Philosophie [BE], Hanno Depner, Hrsg. Königshausen & Neumann, Würzburg 2015 In dieser Ausatzsammlung denkt Sabine Ammon über Entwurfspraxen nach, in: Einige Überlegungen zur generativen und instrumentellen Operativität von technischen Bildern. Ausgehend von Böhms Terminologie der „nützlichen Bilder“ (oder nach Majetschak „Gebrauchsbilder“) nimmst sie die dienende Funktion dieser Bilder aufs Korn und vergleicht sie mit den sog. zweckfreien Bildern der Bildenden Künste. Interessant ist, wie sie dann näher eingeht auf den besonderen Status von Bildern in Entwurfsprozessen: Variieren, vergleichen, testen. Diese Punkte sind für unser Projekt zentral.

Webseite des Projekts:Sammelmappe_Boethius_3

Zeilenfüller. Ausfüllung einer nicht bis an das Ende des Schriftspiegels geschriebenen Zeile mit ornamentalen Motiven, um dadurch einen optisch ausgefüllten Schriftspiegel zu erhalten. Die Ornamentik kann von einfachen Schlangenlinien bis zu aufwendig gestalteten Ornamentleisten mit Vergoldung oder szenischen Malereien und → Drolerien reichen. (Faksimiles, Quaternio Verlag Luzern)

Zentrum für Historische Mediologie

 

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