Glossar: Bildprotokoll

 

Bildprotokoll:

Update (14.6.2018)

Das Protokoll 0 (Handschrift Madrid) ist Teil der Projektarbeit. Es wird nun Protokoll 1. Alle Protokolle werden gemäss Stylesheet überarbeitet und mit Rechtschreibprogrammen korrigiert. Die Bildprotokolle 1-4 gehen dann Ende Juli an Nils. Im März 2019 liegen alle 8 Protokolle korrigiert vor. Vera wird sie dann formal-gestalterisch durcharbeiten und für die Ausstellung vorbereiten, eventuell auch für das Buch.

Stylesheet

I Gliederung des Bildprotokolls

Deckblatt=Formular

Seite 1: Ausgangsbild

Seite 2: Zielbild

Seite 3: Kontext des Ausgangsbilds

Seite 4-10: Notate

 

II Gliederung des Deckblatt=Formular. Es enthält in dieser Reihenfolge die Elemente

[Titel] Bildprotokoll mit Nr [1]

[Verfasserin] Vera Kaspar, April 2018 [Haben wir das so vereinbart, das Datum hier zu setzen? Ja (VK)]

 

[Untertitel]Formular
Ausgangsbild [Österreichische Staatsbibliothek ÖNB, Wien, Cod. 271 Boecius de Consolacie, Fotografie Vera Kaspar]
Kenntnisstand zum Bild [ Künstler unbekannt. Original wird in Wien betrachtet. Rote, grüne und schwarze Tusche auf Pergament. Pergament weisen zum Teil Löcher auf.
Bezug zum Buch: Consolatio, I p. 1 mit der Fussnote: Boethius, Trost der Philosophie, Stuttgart: Reclam, 2016.
Dialog/Gerät (unter Berücksichtigung von Kulturtechnik und Instrumenten Buch, Griffel, Szepter) [bei Vera]

Gewandung und Texturen [bei Barbara]
Literatur

 

III Zitierweisen

  1. Consolatio [immer kursiv]

I [römisch gibt das Buch in der Consolatio an]

pr.: [steht für: Prosateil]

c.: [steht für carmen/Gedicht]

1 [arabisch: Nummer, die den Prosateil oder das Gedicht im jeweiligen Buch von Boethius angibt

Consolatio I, pr.4: entspricht Reclam, S. 50

Farben/Färbigkeit [BE]

Raum, Zeit und “Färbigkeit” versteht Wittgenstein als gleichberechtigte epistemische Kategorien, als Gegenstandsformen. Ludger Schwarte schreibt in Epistemologie des Färbens (in figurationen no. 01/16, s.41):

Denn dass etwas als eine Farbe gilt, liegt nicht an irgendwelchen Lichtwellen oder Nervenreizungen, sondern an dem Raster des als Farbe Vorstellbaren, das aus Sicht Wittgensteins auf konkreten Sprachspielen beruht.

‘Man kann sich das nicht vorstellen’, wenn es sich um die Logik handelt, heisst: man weiss nicht, was man sich hier vorstellen soll. […] Ich sage nicht (wie die Gestaltpsychologen), dass der Eindruck des Weissen so und so zustande komme. Sondern die Frage ist gerade: Was der Eindruck des Weissen sei. Was die Bedeutung dieses Ausdrucks, die Logik des Begriffes ist. Denn, dass man sich etwas ‘Grauglühendes’ nicht denken kann, gehört nicht in die Physik oder Psychologie der Farbe. (Wittgenstein, Ludwig (1984b): Bemerkungen über die Farben. In: ders.:Werkausgabe. Bd.8.Frankfurt a.M.:Suhrkamp

Aus: figurationen/gender literatur kultur, 17.Jahrgang 2016, Heft 1, hrsg. v. Dieter Mersch, Böhlau Verlag Köln Weimar Wien

 

B Forschungsliteratur

Bei selbständigen Publikationen: Vorname Name, Titel, Übersetzerin, Verlagsort: Verlag, Jahr, S. .

Karen Barad, Verschränkungen, übersetzt von Jennifer Sophia Theodor, Berlin: Merve, 2015, S. 9.

Verkürzt: Barad, Verschränkungen, S. 10.

Bei Aufsätzen/Zeitschrift: Thomas Jürgasch, „‚Statura discretionis ambiguae‘. Eine Betrachtung der wechselnden Grösse der ‚Philosophia‘ in Boethius’ ‚Consolatio Philosophiae‘“, in: Jahrbuch für Religionsphilosophie 3 (2004), S. 167
Verkürzt: Jürgasch, „Statura“, S. 188.
Bei Aufsätzen in Sammelbänden
Nils Röller, „Empfindungskörper – Zur indirekten Erfahrung“, in: Siegfried Zielinski und Daniel Irrgang (Hg.), Erkundungen im anthropologischen Viereck – Lektionen im Kontext des Flusserschen Denkens, Paderborn: Fink, 2018, S. 432.
Verkürzt: Röller, „Empfindungskörper“, S. 433.
Fussnoten
Fussnoten werden mit einem Punkt beendet.

 

IV Angaben zu Bildern

Vorschlag: A.A., ÖNB 271, Photographie Barbara Ellmerer, Vera Kaspar; oder A.A., British Library, Harley 4339, www.google….. (konsultiert April 2018)

Ende Update

 

 

Inhaltlich entwickeln sich die Bildprotokolle gut. Die Arbeit am Ausgangsbild, die geleistet wird, führt zu neuen Ansichten für die Interpreation des Textes von Boethius; Barbara erwähnt in Ihrem Bildprotokoll 1 (ÖNB 271) Simone Ammon, die vom Entwurfscharakter spricht. Dieser Punkt wird relevant, wenn wir über künstlerische Forschung sprechen. Schwierigkeiten sehe ich bei der Syntax der Bildprotokolle, damit meine ich:

 

  1. Aufbau Bildprotokoll: siehe update (oben) I Wo ist das Ausgangsbild platziert II Wo sind die Notatate und Zwischenbilder platziert? III Wo ist das Zielbild platziert? IV Wo ist das Formular platziert? (

 

 

 

Formular Update: Vorschlag: Das Formular wird am Beginn des Bildprotokolls platziert, sozusagen als Deckblatt.

Update (28.5.2018) zu den Bildprotokollen
Die Bildprotokolle enthalten in folgender Reihenfolge

Deckblatt: Formular
Ausgangsbild
Notate/Bildfindung
Zielbild

Das Formular enthält die Elemente
Verfasserin
Nr. des Bildprotokolls
Ausgangsbild (Bitte Quelle benennen, auch der Reproduktion, z.B. eigenes Foto oder aus Courcelle…)
Kenntnisstand zum Bild
Bezug zum Buch Consolatio (Bitte Zitierweise beachten, siehe unten)
Aspekt: Dialog/Gerät (Vera)
Aspekt: Gewandung (Barbara)
Literatur: (Bitte Zitierweise beachten, siehe unten)

Inhaltlich entwickeln sich die Bildprotokolle gut. Die Arbeit am Ausgangsbild, die geleistet wird, führt zu neuen Ansichten für die Interpreation des Textes von Boethius; Barbara erwähnt in Ihrem Bildprotokoll 1 (ÖNB 271) Simone Ammon, die vom Entwurfscharakter spricht. Dieser Punkt wird relevant, wenn wir über künstlerische Forschung sprechen. Schwierigkeiten sehe ich bei der Syntax der Bildprotokolle, damit meine ich:

a. Aufbau Bildprotokoll: siehe update (oben) I Wo ist das Ausgangsbild platziert II Wo sind die Notatate und Zwischenbilder platziert? III Wo ist das Zielbild platziert? IV Wo ist das Formular platziert? (

b. Wie wird zitiert?: I Boethius? Vorschlag dazu im Pad:

Zitierweise 
I [römisch]: Buch von Boethius
p.: Prosateil 
c: [carmen] Gedicht
1 [arabisch] Nummer, die den Prosateil oder das Gedicht im jeweiligen Buch von Boethius angibt
Consolatio, I p.4: entspricht Reclam, S. 50

b. II Forschungsliteratur: I Erstmalige Erwähnung der Quelle, z.B.: Thomas Jürgasch, „‚Statura discretionis ambiguae‘. Eine Betrachtung der wechselnden Grösse der ‚Philosophia‘ in Boethius’ ‚Consolatio Philosophiae‘“, in: Jahrbuch für Religionsphilosophie 3 (2004), S. 167; II Wird diese Quelle wiederholt zitiert dann wird wie folgt abgekürzt: Jürgasch, „Statura“, S. 188.

c. Wie werden weitere Bilder platziert und wie deren Quellen benannt? Vorschlag: A.A., ÖNB 271, Photographie Barbara Ellmerer, Vera Kaspar; oder A.A., British Library, Harley 4339, www.google….. (konsultiert April 2018)

 

Formular Update: Vorschlag: Das Formular wird am Beginn des Bildprotokolls platziert, sozusagen als Deckblatt. Die Gliederung von Vera zum Bildprotokoll 1 oder von Barbara zu Bildprotokoll 0 sind klar, anbei Veras Formular

Formular Update Vera zu Bildprotokoll 1 * Literaturangaben, deren Syntax noch nicht angepasst (siehe oben)

Bildprotokoll/Formular Nr. 1
Vera Kaspar, April 2018
Ausgangsbild: Cod. 271 Boecius de Consolacie, Österreichische Staatsbibliothek ÖNB, Wien
Kenntnisstand zum Bild: Künstler unbekannt. Original wird in Wien betrachtet. Rote, grüne und schwarze Tusche auf Pergament. Pergament weisen zum Teil Löcher auf.
Bezug zum Buch Consolatio, I p. 1 („Trost der Philosophie“(Stuttgart: Reclam, 2016)
Dialog: Als Untersuchungsgegenstand mit Fokus auf den Dialog werden die Figuren im Bild in ihren Gesten, Blicken und Geräten genauer betrachtet. Die Philosophie wird sehr gross (Abb. 01), links von Boethius Bett stehend, dargestellt.1 Sie ist 24.9 mm grösser als Boethius. Könnte dies darauf hinweisen, dass sie ihr Grösse ändert 2, dass sie nicht von den Mauern des Gefängnisses eingeschlossen ist?3 Sie trägt in ihrer rechten Hand ein Buch, in ihrer linken einen Zepter der in einer Spitze in Form einer dreiblättrigen Blume mündet. Sie beugt sich leicht zu Boethius, welcher liegend in einem Bett (Abb. 01) dargestellt ist, den Kopf stark nach links zu Philosophia gedreht. Philosophias Blick ist auf Boethius gerichtet. (Abb. 03) Der Blick von Boethius scheint hier direkt auf sie gerichtet 4 zu sein (Abb. 03), es gibt also einen Blickaustausch zwischen den beiden Figuren. Seine Augen wurden mit dunkler Tinte ausgemalt, die die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich zieht. Was hat es auf sich mit dieser Verdunkelung um die Augen? Könnte dies bedeuten dass Boethius’ Blick nach innen gewandt ist, dass er eigentlich nicht sieht? Boethius’ Geste ist schwierig festzulegen, da seine rechte Hand unter der Bettdecke versteckt ist, und seine linke Hand ist durch eine kleine Figut verdeckt wird, die er darin trägt. Jene ist mit ihren 33.5 mm nicht einmal halb so gross wie Boethius (88.6 mm), sie ist sitzend und von der Seite dargestellt (Abb. 01). Es könnte sich um die von Boethius, dem Autoren, dargestellte Figur Boethius handeln, oder wie Pierre Courcelle in seinem Text schreibt, um die Seele von Boethius.5 Dass es sich nicht um Philosophia handelt, wird klar, weil die Figur nackt ohne Gewand, ohne Buch oder Zepter in der Hand dargestellt ist. Die kleine Figur in Boethius Hand blickt nach unten (Abb. 03B Detail), ihr Gesicht sieht man in einem Halbprofil. Ihre linke Hand (Abb. 04) ist mit ausgestrecktem Zeigefinger auf Philosophia gerichtet, sie scheint mitzudiskutieren. Ihre rechte Hand und ihr Arm stützen ihren Kopf ab. Man kann keinen Mund auf dem Bild erkennen. Was auffällig ist, ist dass die Hand der kleinen Figur sehr gross gezeigt wird, hingegen Boethius Hand unter dieser fast verschwindet. Auch sind Philosophias beide Zeigefinger ausgestreckt, wie auch jener von der kleiner Figur. Diskutieren beide oder nur die kleine Figur mit der Philosophie? In der unteren Hälfte des Bildes sehen wir die drei Museen, welche alle drei lebhaft mit Händen gestikulieren. (Abb. 02) Mit ihren Grössen zwischen 71 und 76.2 mm entsprechen sie einer normalen Grössenrelation zu Boethius. Bei zwei von drei Musen sind keine Gesichter erkennbar, sie sind hinter Tüchern versteckt. Die zweite Muse jedoch hat den Blick zu der dritten Musee von rechts gerichtet. Die rechte Hand von der ersten Muse ist parallel zu Philosophias linker Hand (Abb. 04). Was interessant ist, ist das die linke Hand von Philosophia und Boethius und die rechte der ersten Muse alle den gleichen Winkel aufzeigen. (Abb. 04)
Literatur:
1: „Die Philosophia tritt nun an ihn heran–genauerhin an sein Haupt (supra verticem visa), denn hier hat die Philosophie ihren Ort (1,4,24-25). Dass diese Darstellung in einer Tradition von Epiphanie*-Beschreibungen steht, wirft die Frage auf, warum der Autor sich hier dieser Tradition bedient. Dass räumliche Relationsangaben in der Consolatio–wie auch in der spätantiken Philosophie insgesamt–mit starken symbolischen Gehalt aufgeladen sind, darf nicht unbeachtet bleiben. Wenn es etwa heisst, die Philosophia begegne dem Ich-Erzähler hier vom Kopf, d.h. vom Denken her, so wird diese räumliche Vorstellung ganz bewusst eingesetzt.“
A. Kirchner: „Die Consolatio Philosophiae und das philosophische Denken der Gegenwart“ in „Boethius as a paradigm of late ancient thought“ (Berlin/Boston, De Gruyter Verlag, 2014), S. 180
*Epiphanie [griechisch „Erscheinung“] die, -, das unmittelbare Erscheinen einer Gott-
heit in eigener Gestalt oder einer besonderen Manifestation (Theophanie). (Brockhaus)
2: „In ihrem Sich-erheben schreite die ‚Philosophia‘ dabei so weit vor, dass sie, wie Boethius selbst beschreibt, mit ihrem Haupt manchmal sogar in den Himmel hineinragt. In diesem Bild komme, so Enders, zum Ausdruck, dass ‚[d]ie Philosophie also […] nach Boethius in ihrer höchsten, selbst schon zumindest annährend göttlichen Erkenntnisweise die Ideen, einschliesslich ihres Grundes [erkenne]‘“.
Enders nach Jürgasch in T. Jürgasch, „‚Statura discretionis ambiguae‘. Eine Betrachtung der wechselnden Grösse der ‚Philosophia‘ in Boethius’ ‚Consolatio Philosophiae‘“, in: Jahrbuch für Religionsphilosophie 3 (2004), S. 167.
„Betrachtet man die Philosophie in diesem Stadium ihrer Entwicklung, so zeigt sich, dass sie im Kontext des boethianischen Bildes der unterschiedlichen Grössen der
‚Philosophia‘ durch die erste der drei gegebenen Grössen beschrieben werden kann. Die erste Grösse der ‚Philosophia‘, die Boethius beschreibt, ist die dem menschlichen Mass entsprechende, auf welche sich seine Besucherin zusammengezogen habe.“
T. Jürgasch „‚Statura“.‚Consolatio Philosophiae‘“ in: Jahrbuch für Religionsphilosophie 3 (2004), S. 172.
„Auch ist die Philosophie nach Aristoteles als die ‚göttlichste‘ (ϴϵІоτάτη) aller Wissenschaften zu betrachten, weil sie, das Prinzip bedenkend, die Wissenschaft ist, die die Gottheit selbst am meisten besitzt und die vom Göttlichen handelt. All dies legt nahe, die ‚aristotelische ‚Philosophia‘‘ als eine mit dem Scheitel an den Himmel stossende zu begreifen, die mithin die zweite der von Boethius beschriebenen Grössen erreicht.“.
T. Jürgasch „‚Statura“.‚Consolatio Philosophiae‘“ in: Jahrbuch für Religionsphilosophie 3 (2004), S. 185–186.
„Die plotinische Einsicht in die notwendige Voraussetzung einer vollkommenen Einheit lässt ein Wissen aufscheinen, das als das Wissen von einem
jenseitigen Prinzip die ‚Philosophia‘ des Boethius in ihrer dritten Grösse charakterisiert. […] In dieser Phase seiner Entwicklung kommt das philosophische Wissen aus Sicht des Boethius zu seiner Vollendung und der durch das Bild der wechselnden Grösse der ‚Philosophia‘ beschriebene Gang durch die Stadien der Entwicklung dieses Wissens zu seinem Ende. Und zu Recht kann hier das aufscheinende Wissen dabei als „vollendet“ bezeichnet werden.
T. Jürgasch „‚Statura“.‚Consolatio Philosophiae‘“ in: Jahrbuch für Religionsphilosophie 3 (2004), S. 188.
Raum: Der Raum wird architektonisch von einem unebenen Boden, zwei sehr schmalen Türmen, und einer Art
Festungsmauer mit zwei Wachtürmen, eingerahmt. In der Mitte jenes Raumes wird nochmals ein unebener Boden (Abb. 01), der einer hügeligen Landschaft gleicht, dargestellt. In der unteren Hälfte des Bildes sehen wir drei Musen, die in der hügelähnlichen Landschaft „ausserhalb“ des Kerkers zu sein scheinen. Im Buch steht jedoch geschrieben, dass Philosophia die Musen zwingt den Raum zu verlassen6. In der oberen Hälfte werden die beiden Türmen in der Mauer der Festung in einer Dreidimensionalität dargestellt. Bei den Hügeln in der Mitte des Raumes werden einfache Vorder- und Hinterüberschneidungen dargestellt. Diverse runde Punkte scheinen mit Tinte gemalt, erweisen sich aber bei genauerer Betrachtung als Löcher im Pergament, z. B. drei Punkte links oben beim linken Turm und drei auf Philosophias Gewand (Abb.07).
Geräte: Philosophias Buch zeigt in Richtung Boethius, welches darauf hinweisen könnte dass ihr Wissen für ihn bestimmt ist und sie ihm durch ihren Dialog dies vermitteln möchte (Abb. 05). Auch ihr Zepter umschliesst die
Figur Boethius in einer Rundung, welcher einer beschützenden Geste gleicht (Abb. 06).
Vom Ausgangsbild zum Zielbild (s. auch Notate)
Das Bild wurde in der Nationalbibliothek in Wien konsultiert. Jegliche Details, wie Materialität wurden untersucht und studiert. Tatsachen wie dass die Löcher (Abb.07) schon im Pergament vor der Malerei waren, konnten im Original nachgeprüft werden. Auf den ersten Blick könnten dies auch gemalte Punkte sein. Für die anschliessende Vektorenanalyse wurde mit dem digitalen Bild gearbeitet. Hier wurde mit Vergrösserungen (Zoom-ins) gearbeitet um die Details der Objekte besser betrachten zu können. Die Analysen, die anhand von Vektoren und Winkelmessungen gemacht werden konnten, zeigen auf, dass es Parallelen zwischen verschiedensten Objekten im Bild bestehen. Diese wurden an dem jeweiligen unteren Bildrand als Basis bemessen (Schwarze Linie, Abb. 03). Zum Beispiel wie oben genannt, die auffallende Parallelität zwischen den Händen von drei Protagonisten weckt grosse Aufmerksamkeit. Wurde diese bewusst parallel gemalt? Soll es die Gesten, den Dialog, zwischen den drei Figuren unterstreichen? Um dies hervorzuheben, werden diese wie im Bildprotokoll 0 vorerst einzeln und dann im Zielbild benannt. Grafisch werden diese Linien durch Flächen verbunden, wobei neue Formen entstehen. Dass diese geometrisch und dynamisch dargestellt werden, wiederspiegelt die Parallelitäten im Bildaufbau. Sie stellen sozusagen auf eine einfache und klare Art eine Interpretation der Beziehungen und somit des Dialoges zwischen den Figuren im Bild dar. So steht der rote Balken als Symbol für den Blickaustausch und die blaue Fläche für die Gesten der drei Figuren.
3: „Die Philosophie ist die Entgrenzte, die nicht gehalten ist durch die Mauer des Kerkers.“
A. Kirchner: „Die Consolatio Philosophiae“ in „Boethius as a paradigm of late ancient thought“ (Berlin/Boston, De Gruyter Verlag, 2014), S. 200
4: „Als ich nun die Augen auf sie wandte, meinen Blick auf sie heftete, sah ich meine Nährerin wieder, an deren Herd ich von Jugend auf geweilt hatte, die Philosophie!“ Diese Relation ist wahre Relation und der erste Schritt zur Wiedergewinnung eigener Identität, welche an die wahre Heimat gebunden ist.47 47 Die Philosophie schafft nicht nur, dass der Ich-Erzähler in eine Relation zu ihr tritt. Vielleicht noch wichtiger ist der Punkt, dass der Verzweifelte nunmehr den Blick aus dem eigenen scheinbaren Elend erhebt, zum Himmel aufblickt (vg. Cons. 1,3,1–3)– hier wird die äussere Grenze, welche durch die Zelle gesetzt ist, ein weiteres Mal durchbrochen! – und einen obgleich auch kritischen Bezug zum Kosmos (und damit zur höheren Gesetzmässigkeit) wiedergewinnt.“
A. Kirchner: „Die Consolatio Philosophiae“ in „Boethius as a paradigm of late ancient thought“ (Berlin/Boston, De Gruyter Verlag, 2014), S. 183–184
5:„Boèce git sur ce lit; il tourne la tête en arrière vers Philosophie et tient – assis dans sa main gauche – un petit personnage nu qui se détache sur fon neutre: ce personnage qui discute, main ouverte, avec Philosophie, doit représenter son âme.“
Pierre Courcelle: „Histoire littéraire des grandes invasions germaniques“ (Paris: Études Augustinienne, 1964)
Übersetzung Vera: Boethius liegt auf dem Bett, der Kopf dreht er zur Philosophie und hält in seiner linken Hand eine kleine nackte, sitzende Figur die sich vom neutralen Hintergrund abhebt: die Figur diskutiert mit offener Hand mit Philosophie, sie muss die Seele von Boethius darstellen.»
6: „Geht lieber davon, ihr Sirenen, süss bis zum Untergang, und lasst ihn meinen Musen zur Behandlung und Heilung!“
Boethius, „Trost der Philosophie“ (Stuttgart, Reclams Universal-Bibliothek), S. 43

Formular Update Barbara zu Bildprotokoll 2 * Literaturangaben, deren Syntax noch nicht angepasst (siehe oben)

Formular

KünstlerIn: Barbara Ellmerer

Ausgangsbild: A.A. Illustration zum Trost der Philosophie, Madrid, B.N. 10109, fol. 2 recto, zwischen 1000-1200, (Courcelle 1967, Tafel 28, p. 442) Was ist über das Bild bekannt? Vorkenntnis ist gering. Von besonderem Interesse ist die Farbgebung des Bildes(gefundem im Netz).Wird Gegenstand der Untersuchung sein.

Bezug zum Trost der Philosophie: Mir sagt zu, dass der Text Aktualität besitzt, ausserdem Prosa und Poesie vereinigt und pro¬vozierende Untersuchungsmöglichkeiten bietet, wie beispielsweise die Personifikation der Philosophia.Gewandung: Der Frage nachgehen, welche Bedeutung die textile Körperhülle der dargestellten Personen hat und was diese zum Bildwert in ihrer Symbolik beiträgt. Untersuchen möchte ich den Code der Zeit, sein Farbenspiel, Formen/Faltenwürfe, Muster als Gestaltungsmedium. Von Interesse ist der (Dress-)Code und wie er in den Darstellungen (auch) geschlechtertechnisch inszeniert wird. Hülle/ Körper/ Inszenierung der Geschlechterdifferenz. Orientierung an der modernen Geschlechterforschung, Machtstrukturen und wie die Gewandung – auch und gerade- mittels einer bestimmten Farbzuordnung diese ev. manifestiert? Befragt wird z.Zt. Ingrid Bennewitz, Andrea Schindler (Hg.) in Farbe im Mittelalter (Akademie Verlag, 2009Bamberg). Ebenso: Thomas Laqueur und Joan Cadden, die sich mit den Möglichkeiten der textilen Geschlechterdifferenzierungen beschäftigt haben (Geschlecht als Maskerade)

Raum: Hierarchien der Protagonisten werden auch im Raum, in der Verortung der Bildflächen deutlich gemacht. Beispielweise steht im Ausgangsbild die Philosophia räumlich über der Person Boethius. Vorschlag: Als weiterer Aspekt, den Raum betreffend könnt die textile Hülle als Verbindungsglied zwischen HauptdarstellerIn und Raum untersuch werden…. (siehe Literaturliste K. Böse, S.Tammen) Einbezug der Forschungsliteratur: Literatur Gewandung Ph. Zitzlsperger (Hrsg.), Textile Studies 1: Kleidung im Bild: Zur Ikonol¬ogie dargestellter Gewandung (Emsdetten : Edition Imorde, 2010) In diesem Tagungsband blicken die AutorInnenn durch die “vesti¬mentäre Brille” und bieten Deutungen zur bildenden Kunst vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Auf der einen Seite steht der hohe Symbolwert der Kleidung, Individuen mit gesellschaftlichen Gruppen zu verbinden bzw. von ihnen zu trennen. Auf der anderen Seite sind Bilder und Skulpturen, auf denen Kleidung dargestellt ist, für die kleiderkundliche Analyse als Reflexionen nicht Spiegelbilder eines kleidungsbetonten Alltags zu verstehen. Nach welchen Regeln werden Kleidung und Kostüme als “Kostümargumentation” in der bilden¬den Kunst eingesetzt und wie ist ihr Verhältnis zur rekonstruierbaren Realität?

  1. Ganz (Hrsg.), Textile Studies 4: Kleider machen Bilder: vormoderne Strategien vestimentärer Bildsprache (Emsdetten : Edition Imorde, 2012) Kleidung im Bild ist nicht bloß Nebeneffekt einer Bildkultur, die den menschlichen Körper ins Zentrum stellt. Textilien haben – gerade in der Vormoderne – zusätzlich zur kulturellen Symbolik einen besonderen Bildwert. Die Überfülle dargestellter Gewänder, ihre Farbigkeit und das Formenspiel der Falten und Muster erweisen sich als zentrales Gestaltungsmedium der Künstler. Zusammen mit einer seit der Antike wirkenden Metaphorik des Bekleidens werden Gewänder zum bevorzugten Träger bildspezifischer Bedeutungen: Allegorien werden sprechend gemacht, komplexe Erzählungen organisiert, und sonst Unsichtbares kommt darin zur Anschauung.
  2. Schausten (Hrsg.), Die Farben imaginierter Welten : zur Kulturgeschichte ihrer Codierung in Literatur und Kunst vom Mittelalter bis zur Gegenwart (Berlin : Akademie Verlag, 2012) Dieser Band versammelt Beiträge, die zuerst im Rahmen einer internationalen Tagung im Oktober 2010 an der Univ. Siegen zu den Farben imaginierter Welten vorgestellt worden sind R.Barthes, Die Sprache der Mode (Frankfurt am Main : Suhrkamp, 2010) (Originaltitel : Système de la mode, 1969) R.B. prägt hier den Begriff des vestimentären Codes.
  3. Maeger Umgang mit Bilder. Bilddidaktik in der Philosophie (Paderborn : Schöningh, 2013) S.M.geht besonders ein auf Personifika¬tionen und ihre Hierarchisierung M. Scott, Kleidung und Mode im Mittelalter (Stuttgart : Theiss 2009) Originaltitel: Medieval dress and fashion: Darstellungen von Kleidung und Mode in mittelalterlichen Handschriften aus dem 9. bis 16. Jahrhundert lassen deshalb umfangreiche Rückschlüsse auf die gesellschaftlichen Verhältnisse dahinter zu. Margaret Scott zeigt in diesem liebevoll gestalteten, reich illustrierten Band die Zusam¬menhänge auf und beschreibt anschaulich, in welchem Maße darin die sozialen Unterschiede zwischen wohlhabenden und ärmeren Schichten zum Ausdruck kommen.
  4. Böse, S. Tammen (Hrsg.), Beziehungsreiche Gewebe : Textilien im Mittelalter (Frankfurt a.M. : Peter Lang, 2012) Die Stichworte hier sind Hüllung und Enthüllung im Mittelalter, (und als Schnittstelle für unser Projekt interessant): Fünf Beiträge debattieren im Themenbereich TEXTIL UND RAUM, die performative Qualität mittelalterlicher Stoffe, wie zum Beispiel Textilien sich als anpassungsfähige Mitspieler in komplexen Medienensembles erweisen.
  5. Cadden, The meanings of sex difference in the Middle Ages : medicine, natural philosophy, and culture (Cambridge University Press, 1993) T. Laqueur, Auf den Leib geschrieben : die Inszenierung der Geschlechter von der Antike bis Freud (Frankfurt am Main : Deutscher Taschenbuch Verlag, 1996) Bildproduktion Datum: Dezember 2016

Formular: Das Bildprotokoll umfasst folgende Komponenten:cKünstlerisch: Ein Ausgangsbild aus der Ikonografie von Boethius wird in mehreren Bildschritten in ein Zielbild überführt. Das Zielbild bezeichnet das Ergebnis der Auseinandersetzung der künstlerisch Mitarbeitenden mit dem Ausgangsbild. Dieser Prozess wird von Notaten begleitet. Notate sind hierbei die von den künstlerisch Mitarbeitenden produzierten sprachlichen Formulierungen ihres Prozesses vom Ausgangsbild zum Zielbild über die einzelnen Bildschritte hinweg. Dabei nehmen sie auch Bezug auf Referenzbilder, also auf Bilder, die in den künstlerischen Prozessen in Form von Erinnerungen, Ähnlichkeiten, inhaltlichen Parallelen auftauchen und Hinweise geben auf die kunstgeschichtliche Selbstverortung und Bezugsvernetzung. Die Ausgangsbilder sind zeitlich definiert, lokalisiert und in ihrer je spezifischen Bildtechnik gegeben. Die einbezogenen Referenzbilder umfassen kunsthistorisch unterschiedliche Epochen und Kulturen, ebenso alle Medien. Die Mitarbeitenden setzen sich mit den Ausgangsbildern aus den Perspektiven der Gewandung (Barbara Ellmerer) und des Dialogs (N.N.) auseinander. Mittels eines Formulars wird eine sprachliche Schnittstelle etabliert, die verbindlich Auskunft gibt zu: Ausgangsbild (Provenienz), Kenntnisstand zum Bild, Bezug zum Text der Trostschrift, Gewandung/Textur, Raum, Dialog, Einbezug der Forschungsliteratur.

 

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