Assemblage, Gefüge, Rhizom

Sitzung vom 12.Oktober 2015, sandra cubranovic

 

In Deleuzes und Guattaris Plateau über das Rhizom wird dem dichotomischen Bild des Wurzel-Baums eine neue Denkfigur gegenübergestellt. In der Kritik der beiden Autoren steht die Emanation einer Dialektik, welche durch den Akt der Fragmentierung in einem begrenzten Bild mündet. Die Mannigfaltigkeit ist in dieser klassischen Art des Denkens durch die Binarität ausgeschlossen.

Der Begriff Rhizom ist der Botanik entwendet und bezeichnet eine reich verzweigte unterirdische Struktur von speziellen Pflanzen, ein Wurzelwerk, wobei Wurzel und Trieb nicht unterscheidbar sind.

In „Tausend Plateaus“ steht der Begriff als Metapher für eine Verkettung. Das Rhizom zeigt verschiedene Merkmale auf, wie z.B. die der Konnexion. Punkte eines Rhizoms können und müssen mit jedem anderen Punkt beliebig verbunden werden. Die Organisation besteht nicht aus einer hierarchischen Struktur, sondern setzt sich aus dezentralen und heterogenen Elementen zusammen. Das Prinzip der Mannigfaltigkeit, welches in der binären Denkweise nicht berücksichtigt wird, ist ausschlaggebend in der Ziehung der Fluchtlinie und der Deterritorialisierung. Das Aussen wirkt als Definitionselement, eine imaginäre Linie entsteht – um womöglich gleich wieder durch die segmentierenden Kräfte reterritorialisiert zu werden. Die Fluchtlinie als Bruch des segmentären Gebildes zeigt sich als wuchernde Möglichkeit einer Deterritorialisierung. Verhärtete Strukturen werden aufgelöst, gestört und auseinander getrieben; eine Negation der Reproduktion wird hergestellt. Die Differenz wird sichtbar, der nicht gerasterte Raum wird betreten und erkundet.

Transzendentale Verbindungen an einer Kunsthochschule, welche fähig sind, immer wieder neue Verkettungen zu bilden, welche eine imaginäre Linie schaffen, die die externen und immanenten Grenzen der Institution und Disziplin aufzulösen vermag, könnten rhizomatisch sein.

 

Quellen:

Gilles Deleuze/Félix Guattari, Tausend Plateaus. Kapitalismus und Schizophrenie, Merve Verlag, Berlin 1992

 

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