Trakl & Wittgenstein

O, warum ist mir zumute, als schrieb ich ein Gedicht, wenn ich Philosophie schreibe? – Ludwig Wittgenstein

Der Unternehmer und Philosoph Ludwig Wittgenstein (1889 bis 1951) stellte von Ficker einen großen Geldbetrag zur Förderung notleidender Dichter zur Verfügung. Trakl sollte neben Rainer Maria Rilke (1875 bis 1926) 20 000 Kronen erhalten, die alle seine Geldnöte für Jahre behoben hätten,[…] selbst bei den Unsummen, die Trakl für Alkohol und andere Drogen verbraucht. […] Doch er sah sich außerstande, das Geld abzuholen, begann vor dem Bankgebäude zu zittern und vermochte die Schwelle nicht zu übertreten. […] Dann beginnt der Erste Weltkrieg. Trakl kommt als Apotheker nach Galizien an die Front. In der Schlacht bei Grodek hat er 90 Schwerverletzte zu betreuen und will sich erschießen. Man bringt ihn nach Krakau in die Psychiatrische. […] An Wittgenstein selbst richtete Trakl zu dieser Zeit noch eine Karte mit der Bitte um einen Besuch, da Ficker ihn informiert hatte, dass dieser in Krakau stationiert war. […]

Sehr geehrter Herr!

Sie würden mich zu großem Dank verpflichten, wenn Sie mir die Ehre Ihres Besuches geben würden. Ich bin seit beiläufig 14 Tagen im hiesigen Garnis.Spit. auf der fünften Abteilung für Geistes- und Nervenkranke. Möglicherweise werde ich das Spital in den nächsten Tagen verlassen können um wieder ins Feld zurückzukehren. Bevor darüber eine Entscheidung fällt, möchte ich herzlich gerne mit Ihnen sprechen. Mit den besten Grüßen

Ihr ergebener Georg Trakl

[…] Wittgenstein freute sich darauf: „Wie gern möchte ich ihn kennenlernen.“ Er brauche einen Menschen, mit dem er sich ausreden könne. Das Schiff traf am 5. November 1914 in der Stadt ein. Trakl war seit zwei Tagen tot. […] Zur geläufigen Version wurde bald die Auffassung, Trakl habe sich mit einer Überdosis Kokain vergiftet. […] Mit Trakl starb einer der großen Expressionisten auf dem Gebiet der Lyrik. […] Bezeichnend für seine Lyrik sind Verfall, Dunkelheit und Farbmetaphern. […] Seine Schreibweise ist nicht minder kryptisch, ja entbehrt stellenweise jeder Deutungsmöglichkeit. […] Wittgenstein selbst lernte Trakls Gedichte er nach dessen Tod kennen. “Ich verstehe sie nicht; aber ihr Ton beglückt mich. Es ist der Ton der wahrhaft genialen Menschen.”

Quellen:
http://www.villa-wittgenstein.net/node/19
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=40754
http://www.kulturraumverdichtung.de/georg-trakl-grodek.html
http://www.deutschlandfunk.de/neue-werke-ueber-trakl-zwischen-leben-und-tod-rausch-und.700.de.html?dram:article_id=302182
http://www.literaturnische.de/Trakl/material/wittgenstein.htm
http://www.zeit.de/1989/18/du-wirst-am-ende-verstanden-werden/komplettansicht
http://diepresse.com/home/zeitgeschichte/1512975/Ludwig-Wittgenstein_Jetzt-weiss-ich-dass-wir-hin-sind
http://www.andreherrmann.de/in-gedenken-georg-trakls/

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